Stichworte

A

  • Kommen durch Behörden beauftragte Kindeswohlabklärungen und Bedarfseinschätzungen zum Schluss, dass das Kindeswohl im bisherigen Umfeld des Aufwachsens (vorübergehend) gefährdet ist, folgt ein behördlicher Entscheid zur Platzierung der jungen Menschen.

  • Der Zeitraum zwischen Aufnahme- und Austrittsphase stellt die Aufenthaltsphase dar. Im Kern wird hier der auf die jeweilige Entwicklung des jungen Menschen bezogene pädagogische Prozess (Ziel: Erziehungs- oder Betreuungsplanung mit den jungen Menschen) fortlaufend geplant, begleitet und ausgewertet. Die Aufenthaltsphase nimmt in der Regel den grössten Zeitraum einer Platzierung ein.

  • Die Aufnahmephase ist durch den Start der pädagogischen Beziehung zwischen den Betreuungspersonen und dem jungen Menschen sowie dessen Herkunftssystem gekennzeichnet. Nachdem im Platzierungsprozess eine Einigung über die Betreuungsform erzielt wurde, bereitet die Fallführung gemeinsam mit der zukünftigen Betreuungsinstitution bzw. Pflegefamilie sowie dem jungen Menschen und seinem Herkunftssystem die Aufnahme des jungen Menschen sorgfältig vor.

  • Diese Phase ist geprägt von der Ablösung des jungen Menschen vom Betreuungsort und den damit verbundenen Beziehungen. Der Übergang zu einem neuen Lebensort muss hier von den Fachpersonen gestaltet werden. Grundsätzlich sind drei Szenarien denkbar: der junge Mensch tritt in ein eigenständiges Leben ein, er kehrt ins Herkunftssystem zurück oder wird an einem anderen Ort betreut.

B

  • Die Beistandschaft hat den Auftrag, im Prozess der Platzierung und Betreuung den jungen Menschen ausdifferenziert und stets bezogen auf den Einzelfall zu vertreten. Hierzu gehören auch die Überwachung seiner Rechte oder auch die Erziehungsberechtigten mit Rat und Tat zu unterstützen. Auf dieser Basis umfasst ihr Mandat die Fallführung bzw. Platzierungsbegleitung.

  • Der Betreuungsprozess umfasst den Zeitraum von der Aufnahme in einem Heim oder einer Pflegefamilie bis zum Austritt. Er beinhaltet drei Phasen: Aufnahme, Aufenthalt, Austritt.

  • Bezugssysteme der jungen Menschen stellen nebst den erziehungsberechtigten Personen und juristisch eingrenzbarer Verwandtschaft stets auch weitere, für sie relevante soziale Kontakte bzw. Systeme mit individuell bedeutungsvollen Bezug dar. Diese gilt es in Planung und Ausgestaltung der Platzierung und der weiteren Zukunftsperspektiven der Kinder und Jugendlichen wo möglich mit einzubeziehen.

D

  • Für die Fallführung besteht auch die Möglichkeit einzelne Prozessschritte durch Dienstleistungsanbieter durchführen zu lassen. Hierbei kann unterschieden werden zwischen DaF (Dienstleistungsanbietern in Familienpflege – oft Familienplatzierungsorganisationen (FPO)) und Dienstleistungsanbietern ausserhalb Familienpflege. Entgeltliche wie auch unentgeltliche Dienstleistungsanbieter sind in der Regel gegenüber der zentralen kantonalen Behörde meldepflichtig und deren Aufsicht unterstellt.

E

  • Im Rahmen von Erziehungs- bzw. Betreuungsplanung am Platzierungsort werden im engen Dialog mit den jungen Menschen die Ziele und Anforderungen die mit der Platzierung verbunden sind ausdifferenziert, konkretisiert und bis auf die Ebene der Alltagsgestaltung hin ausgeschildert. Verantwortlich hierfür ist häufig eine Fachperson im Heim die als sog. Bezugsperson fungiert.

F

  • Basierend auf dem Grundsatz, dass alle Platzierungen durch eine externe Fachperson begleitet sein sollten, erfordern Platzierungen immer eine Fallführung.  Die Fallführung hat den übergreifenden Auftrag im Prozess der Platzierung und Betreuung mit dem jungen Menschen zusammenzuarbeiten und ihn im Prozess auch zu vertreten. Die genaueren Aufgaben und Rollen der fallführenden bzw. platzierungsbegleitenden Fachpersonen ist jedoch in hohem Mass abhängig von Platzierungsauftrag, von der jeweiligen Platzierungsphase sowie von den jeweiligen politischen und strukturellen Kontexten.

J

  • Mit den Jugendstrafbehörden (JStrB) sind alle behördlichen Stellen überschrieben, die Massnahmen nach dem Jugendstrafrecht (JStR) anweisen und/oder diese – unter Einbezug von verschiedenen Akteuren der Sozialen Arbeit – verantwortlich durchführen. Darunter fallen insbesondere: Jugendgerichte, Jugendstaatsanwaltschaften sowie Oberstaatsanwaltschaften.

K

  • Mit den  Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) sind alle behördlichen Stellen überschrieben, die zivilrechtliche Kindesschutzmassnahmen nach dem  Kindes- und Erwachsenenschutzrecht (KESR) anweisen. Mit dem Behördenentscheid für eine Fremdplatzierung wird in der Regel  eine Platzierung angeordnet, eine Beistandschaft errichtet sowie eine erste Finanzierungsfrist festgelegt. Die KESB arbeitet interdisziplinär (Soziale Arbeit, Psychologie und Rechtswissenschaft).

  • Falls es zu einer (angeordneten) Platzierung eines jungen Menschen kommt, stellt die Kindeswohlabklärung und Bedarfseinschätzung eine markante Zäsur dar. Denn die Argumente, die für den Entscheid einer Platzierung verwendet werden, basieren massgeblich darauf. Deshalb kommt den Kindeswohlabklärungsinstrumenten zu Recht auch eine grosse fachliche Aufmerksamkeit zu. Die Notwendigkeit fachlich ausdifferenzierter und auf im Einzelfall angewandter Abklärungsinstrumente ist gerade auch bezüglich der verantwortungsvollen Entscheidungsfindungen evident.

N

  • Nichtangeordnete Platzierungen erfolgen zumeist auf der Basis von erkannten Problemkonstellationen und Bedarfslagen im bisherigen Umfeld des Aufwachsens eines jungen Menschen. Diese Problemkonstellation kann durch erziehungsberechtigte Personen, Fachpersonen privater oder öffentlicher Angebote, Schulen und Gemeinden oder auch durch Kinder und Jugendliche selbst erkannt werden.

P

  • Der Platzierungsprozess wird hier als Zeitraum zwischen einem behördlichen Auftrag oder einem offiziell gemeldetem Bedarf für eine Fremdplatzierung eines Kindes/Jugendlichen und dessen Eintritt in eine geeignete Institution oder Pflegefamilie definiert.

S

  • Das Stao ist das zentrale Gespräch, das der gemeinsamen Auswertung und Weiterplanung dient. In der Regel nehmen hieran die jungen Menschen und die wichtigsten Personen ihres Bezugssystems, die Pflegefamilie bzw. Fachpersonen des Heims und die Fachperson, der die Fallführung obliegt, teil. Die Auswertung der mit der Platzierung verbundenen Ziele sowie die Frage nach der zeitlichen Perspektive der Platzierung sind zentrale Bestandteile des Stao.

    Das Stao muss protokolliert und die getroffenen Vereinbarungen möglichst von allen Beteiligten unterzeichnet werden.

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