Diagnostik & Abklärung

In einer Fremdplatzierung stellen Erkenntnisse aus Diagnostik und Abklärungen jeweils zentrale Bezugspunkte für die Begründung weiterer Entscheidungen innerhalb der Hilfe dar. Hierfür erstellt in der Regel die Diagnostik entlang von standardisierten Instrumenten klar definierte Diagnosen über die Problemstellungen und Ressourcen. Die soziale Abklärung erstellt weniger regelgeleitet analytische Berichte zu sozialen Bedingungen und individuellem Bedarf. Hier wird aufgezeigt, wie die zwei Erfassungs- und Verstehensformen im Sinne einer (psycho-)sozialen Diagnostik nicht gegeneinander ausgespielt, sondern vereint genutzt werden.

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Fachliche Diagnostik- und Abklärungsinstrumente sind im Fremdplatzierungsprozess notwendig. Sie ermöglichen und unterstützen relevante Entscheidungen durch nachvollziehbare Einschätzungen zu körperlichen, geistigen und sozialen Bedarfslagen und Bedürfnissen junger Menschen sowie derer Bezugssystemen. Diese lassen erst zu, dass Fachpersonen fallangemessen und transparent begründbar vorgehen. Dadurch schaffen sie für alle Beteiligten Orientierung.

Gleichzeitig beinhaltet der Einsatz von Diagnostik- und Abklärungsinstrumenten immer auch ein fachliches Risiko: Je nach Verwendung können sie Bedingungen stark verkürzt widergeben, Defizite zu sehr betonen oder die jungen Menschen stigmatisieren. Hinzu kommt, dass hinter unterschiedlichen Diagnostik- und Abklärungsinstrumenten auch unterschiedliche Disziplinen stehen. Diese gehen von unterschiedlichen Sichtweisen auf den Menschen und seine Umgebung aus. Das kann zu Verunsicherung und Missverständnissen auf allen Seiten führen.

Um hier jedoch keine Widersprüche zwischen Diagnostik und Abklärung zu verfestigen, sondern auf die Notwendigkeit einer kritischen Zusammenführung aufmerksam zu machen, wird jeweils von „Diagnostik und Abklärung“ als Einschätzungs- und Verstehensprozess und von „Diagnosen und Abklärungsberichten“ als fachlich bewertende Erkenntnisse aus diesem Prozess gesprochen. Die bewertenden Erkenntnisse dürfen aus fachlicher Sicht sowohl Diagnosen als auch Abklärungsberichte stets nur als Hypothesen vermitteln. Erst so entsteht die Möglichkeit, dass junge Menschen, ihre Bezugssysteme und weitere Beteiligte (be)stehende Erkenntnisse im fortwährenden Dialog jederzeit für Entwicklungen nutzen oder auch infrage stellen können. Geht man hingegen von Wahrheiten aus, fallen die individuelle Nutzung oder das Hinterfragen schwer.

Deshalb müssen Fachpersonen stets kritisch fragen, wer wie zu welchen Diagnosen und Abklärungsberichten gelangt und welche Bedeutung diese für den weiteren Verlauf einer Platzierung haben können und dürfen.
Folgende Fragen gilt es zu stellen:

  • Wie statisch (als Wahrheit) oder prozesshaft (als Hypothese) sind Diagnosen und Abklärungsberichte aufgestellt?
  • Welche Möglichkeiten bestehen um kritische Fragen zu stellen?
  • Wie sind die jungen Menschen mit ihren Bezugssystemen daran beteiligt worden?

Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass bestimmte Finanzierungsmodelle oft auch nach ganz spezifischen Diagnosen fragen und andere Diagnosen und Abklärungsberichte so eher vernachlässigen.

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