Kritische Reflexion der Auftragsinhalte

Eine Präzisierung des Auftrags besteht häufig nicht nur aus einer Ausdifferenzierung der im Auftrag genannten Themen und Ziele. Sie beinhaltet stets auch die Möglichkeit einer kritischen Reflexion darüber, wie, warum und wer zu den vorliegenden Themen im Auftrag gelangt ist – und welche ggf. noch fehlen. Falls eine fundierte Präzisierung des Auftrags notwendig wird um mit einer fallbezogenen Suche eine Platzierungsortes beginnen zu können, führen unterschiedliche fachliche Haltungen, Vorstellungen, Gewichtungen und Methoden immer wieder auch zu unterschiedlichem Fallverstehen und unterschiedlichen Auftragsvorstellungen. Falls dies eintrifft, ist es Aufgabe der fallführenden Person/Stelle diese Differenzen im Sinne eines ganzheitlichen Fallverstehens aufeinander zu beziehen, anstatt sie gegeneinander auszuspielen. Beiständinnen und Beistände können Anträge auf weitere Auftragsinhalte stellen.

Die Zusammenarbeit mit jungen Menschen und ihrem Bezugssystem stellt neben fachlichen Argumenten ein zentrales Bestandteil der kritischen Reflexion dar. Wie sich in der Praxis zeigt, kann ungenügende Zusammenarbeit zu Rückzug, Furcht oder zum Einschalten eines Anwalts führen. Das erschwert eine gemeinsame, kritische Reflexion der Auftragsinhalte zusätzlich.
Hingegen helfen Qualitätsstandards wie bspw. Quality for Children jungen Menschen und ihrem Bezugssystem kritische Fragen zu stellen. In Bezug auf Information und Beratung von Personen, die von einer Massnahme des Kindes- oder des Erwachsenenschutzes betroffen sind und die direkt betreffende Auftragsinhalte nicht verstehen, infrage stellen oder kritisieren, gibt es zudem seit 2017 auch die Anlaufstelle kescha.

Der formale Ablauf des Platzierungsprozesses hält fest, dass die KESB dem Beistand/der Beiständin den ausdifferenzierten Auftrag zur Platzierung des Kindes/der Jugendlichen erteilt. Wie das Mandat geführt wird, ist hingegen Sache der Beiständinnen und Beistände, wodurch der Auftrag fachlich gesehen zu einem gemeinsamen Auftrag der KESB und der Mandatsführung wird, und nicht zu einer Unterordnung. Wie sich in Forschung und Praxis zeigt, gibt es in diesem dynamischen Auftragsverhältnis im Sinne einer Wahrung von Fachlichkeit noch verschiedene Klärungsbedarfe.

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