Zusammenarbeit mit den jungen Menschen und ihrem Bezugssystem

Für den Verlauf und die Wirkung der gesamten Platzierung ist es zentral wichtig, von Beginn an mit den jungen Menschen und ihrem Bezugssystem intensiv zusammen zu arbeiten. Die Bedingungen für eine gelingende Zusammenarbeit sind in allen Prozessschritten und auch bei komplexen Bezugssystemen anzustreben und zu ermöglichen.

Zum Bezugssystem der jungen Menschen gehören die formal Erziehungsberechtigten, aber auch „soziale Eltern“, Grosseltern, Geschwister, Freunde und Partnerinnen oder Partner (bei Jugendlichen) sowie weitere, für sie relevante Menschen.

Wie sich in der Praxis zeigt, kann die Zusammenarbeit eine grosse Herausforderung darstellen, z.B. wenn die Ist- und Soll-Situationen unterschiedlich wahrgenommen werden. Die Fachpersonen müssen dann im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle teils mit Widerstand, und Konfrontation umgehen. Daneben aber auch an der Lebenswelt und den Wünschen der jungen Menschen und ihres Bezugssystems anschliessen. In einer pädagogischen Perspektive sind diese Widerstände sehr bedeutsam, da so Themen sichtbar werden, an denen gemeinsam gearbeitet werden muss.

Ziel der Zusammenarbeit ist es möglichst zu einem gemeinsamen Fallverstehen mit den jungen Menschen und ihrem Bezugssystem zu kommen, das nahe an deren Lebenswelt ist. Davon abgeleitet können die Beteiligten zu je angemessenen Entscheidung kommen. Bei der Zusammenarbeit bei angeordneten Platzierungen durch die KESB muss eine Verfahrensbeistandschaft bzw. Kindesvertretung oder Kinderanwalt (die Bezeichnung ist nicht einheitlich) angeordnet werden (vgl. KOKES-Praxisanleitung Kindesschutzrecht, Rz. 7.47ff. (Link dazu hier unter "Empfehlungen und Leitfäden" ).

Siehe auch:

Im Platzierungsprozess kann besonders in den nachfolgend aufgelisteten Prozessschritten Zusammenarbeit angestrebt und ermöglicht werden. Gleichzeitig zeigt sich in diesen Prozessschritten oft auch deutlich, ob und wie die Zusammenarbeit bis hierhin berücksichtigt und gelungen ist:


Im Betreuungsprozess muss die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen und ihres Bezugssystems im jeweiligen Einzelfall sichergestellt werden: Die umfassende Partizipation der jungen Menschen wird durch die Fachpersonen am Betreuungsort sowie durch die Beistandschaft und/oder fallführende Fachperson der platzierenden Stellen gefördert und gewährleistet.


Die Pflegekinderverordnung sieht vor, dass die Kinderschutzbehörde dafür sorgt, dass den Kindern, die in einer Pflegefamilie oder einer stationären Institution platziert werden, eine Vertrauensperson zur Seite gestellt wird. An diese können sie sich bei Fragen oder Problemen wenden.


Die Rolle der Vertrauensperson besteht darin, den Standpunkt des Kindes während der Platzierung zu vertreten und für das Kind eine neutrale Bezugsperson zu sein. Die Vertrauensperson muss eine gewisse Distanz wahren, um sich nicht von den Überlegungen und Interessen der anderen betroffenen Akteurinnen und Akteuren beeinflussen zu lassen. Wie und wer als eine Vertrauensperson zu berufen ist und weitere Fragen der konkreten Umsetzung werden nach wie vor diskutiert (vgl. Seiterle 2017).


Es ist deshalb notwendig, dass eine neue Praxis etabliert wird, damit systematisch eine Vertrauensperson zugewiesen wird. Die Zusammenarbeit mit dem Bezugssystem und insbesondere den Eltern gestaltet sich im Einzelfall recht unterschiedlich. Es sind hier verschiedene Zielsetzungen denkbar. Es können mindestens drei Ebenen in der Arbeit mit der Herkunftsfamilie ausgemacht werden:


  1. Elternarbeit von Fachperson der platzierenden Stellen/ der Fallführung
  2. Elternarbeit am Platzierungsort
  3. Zusätzliche Fachstelle die die Elternarbeit durchführt

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