Betreuungsprozess

Der Betreuungsprozess dauert von der Aufnahme in einer Institution oder einer Pflegefamilie bis zum Austritt. Er beinhaltet drei Phasen: Aufnahme, Aufenthalt, Austritt.

Betreuungsprozess

Ebene HEIM- UND PFLEGEKINDERBEREICH

Auf dieser Ebene werden Aspekte beschrieben, die im Verantwortungsbereich der Platzierungsangebote wichtig sind.

Erziehungs- oder Betreuungsplanung mit dem jungen Menschen

Im Rahmen von Erziehungs- oder Betreuungsplanung werden im engen Dialog mit dem jeweiligen jungen Menschen und teils auch mit den Sorgeberechtigten die Ziele und Anforderungen, die mit der Platzierung verbunden sind, konkretisiert. Sie werden bis auf die Ebene der Alltagsgestaltung hin ausgeschildert.

Dafür ist häufig eine Fachperson im Heim verantwortlich, die als sogenannte "Bezugsbetreuung" fungiert. Die Erziehungs- oder auch Betreuungsplanung stellt eine Grundlage für die pädagogische Dokumentation dar. Sie dient dazu die Entwicklung des jungen Menschen zielgerichtet zu begleiten und auszuwerten.

  • Quality 4Children, Standard 6, S. 27f.
  • Blülle Stefan (2013). Kinder und Jugendliche platzieren - Ein Handlungsleitfaden für platzierungsbegleitende Fachpersonen. In: integras (Hrsg.), Leitfaden

Interne Dokumentation und Auswertung der Entwicklung des jungen Menschen

Die interne Auswertung und Anpassung der Planung gemeinsam mit den betroffenen jungen Menschen stellt einen wiederkehrenden Prozessschritt als Teil des pädagogischen Prozesses dar.

Aufenthaltsphase

Der Zeitraum zwischen Aufnahme- und Austrittsphase stellt die Aufenthaltsphase dar. Im Kern wird hier der auf die jeweilige Entwicklung des jungen Menschen bezogene pädagogische Prozess fortlaufend geplant, begleitet und ausgewertet. Die Aufenthaltsphase nimmt in der Regel den grössten Zeitraum einer Platzierung ein.

Zwischenbericht

Das Stao wird durch einen schriftlichen Bericht des Heims/der DaF vorbereitet. In diesem werden die Entwicklung des jungen Menschen und die angestrebten Ziele ausgewertet und Perspektiven aufgezeigt.

Anleitung und Legende

Anleitung

Auf dem hier abgebildeten Platzierungsprozess werden die Schritte zwischen einer kindeswohlrelevanten Problemkonstellation und der Ankunft des Kindes am (neuen) Platzierungsort aufgezeigt. Im Übergang zu dieser Ankunft startet der Betreuungsprozess.
Die Navigationsfläche ist aufgeteilt in angeordnete Platzierung (oben) und nicht angeordnete Platzierung (unten). Die zwei Wege im Suchprozess nach einem geeigneten Platzierungsort für Kinder und Jugendliche fallen nach rechtlich unterschiedlich gelagertem Start zusammen, sobald es um die Präzisierung des Auftrags geht.
Hinter den abgebildeten Prozessschritten befinden sich jeweils kurze Beschreibungen zu den Schritten, aber auch Verweise auf übergreifende, fachlich relevante Themen oder Materialien.

Legende

  • Dünne Pfeile: Hauptpfade zur Platzierung (Entscheidungspfad)
  • Kreise: verweisen auf notwendige Entscheidungen im Platzierungsprozess
  • Rechtecke: verweisen auf weitere Schritte, Aktionen und Handlungen im Platzierungsprozess
  • Rechtecke mit gestricheltem Rand: verweisen auf Schritte, Aktionen und Handlungen vor dem formalen Start zum Platzierungsprozess.
  • Dicke Pfeile im Hintergrund: zeigen die Themen „Zusammenarbeit mit jungen Menschen und ihrem Bezugssystem“ und „Fallführung, Fallbegleitung und Beistandschaft“, die den gesamten Prozess massgeblich mitprägen.
  • Grüne Kreispfeile im Hintergrund: visualisieren die Zirkularität und Unberechenbarkeit des gradlinig wirkenden Prozesses

Zusammenarbeit mit den jungen Menschen und ihrem Bezugssystem

Für den Verlauf und die Wirkung der gesamten Platzierung ist es zentral wichtig, von Beginn an mit den jungen Menschen und ihrem Bezugssystem intensiv zusammen zu arbeiten. Die Bedingungen für eine gelingende Zusammenarbeit sind in allen Prozessschritten und auch bei komplexen Bezugssystemen anzustreben und zu ermöglichen.

Zum Bezugssystem der jungen Menschen gehören die formal Erziehungsberechtigten, aber auch „soziale Eltern“, Grosseltern, Geschwister, Freunde und Partnerinnen oder Partner (bei Jugendlichen) sowie weitere, für sie relevante Menschen.

Wie sich in der Praxis zeigt, kann die Zusammenarbeit eine grosse Herausforderung darstellen, z.B. wenn die Ist- und Soll-Situationen unterschiedlich wahrgenommen werden. Die Fachpersonen müssen dann im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle teils mit Widerstand, und Konfrontation umgehen. Daneben aber auch an der Lebenswelt und den Wünschen der jungen Menschen und ihres Bezugssystems anschliessen. In einer pädagogischen Perspektive sind diese Widerstände sehr bedeutsam, da so Themen sichtbar werden, an denen gemeinsam gearbeitet werden muss.

Ziel der Zusammenarbeit ist es möglichst zu einem gemeinsamen Fallverstehen mit den jungen Menschen und ihrem Bezugssystem zu kommen, das nahe an deren Lebenswelt ist. Davon abgeleitet können die Beteiligten zu je angemessenen Entscheidung kommen.
Bei der Zusammenarbeit bei angeordneten Platzierungen durch die KESB muss eine Verfahrensbeistandschaft bzw. Kindesvertretung oder Kinderanwalt (die Bezeichnung ist nicht einheitlich) angeordnet werden (vgl. KOKES-Praxisanleitung Kindesschutzrecht, Rz. 7.47ff. (Link dazu hier unter "Empfehlungen und Leitfäden" ).

Siehe auch:

Im Platzierungsprozess kann besonders in den nachfolgend aufgelisteten Prozessschritten Zusammenarbeit angestrebt und ermöglicht werden. Gleichzeitig zeigt sich in diesen Prozessschritten oft auch deutlich, ob und wie die Zusammenarbeit bis hierhin berücksichtigt und gelungen ist:


Im Betreuungsprozess muss die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen und ihres Bezugssystems im jeweiligen Einzelfall sichergestellt werden: Die umfassende Partizipation der jungen Menschen wird durch die Fachpersonen am Betreuungsort sowie durch die Beistandschaft und/oder fallführende Fachperson der platzierenden Stellen gefördert und gewährleistet.


Die Pflegekinderverordnung sieht vor, dass die Kinderschutzbehörde dafür sorgt, dass den Kindern, die in einer Pflegefamilie oder einer stationären Institution platziert werden, eine Vertrauensperson zur Seite gestellt wird. An diese können sie sich bei Fragen oder Problemen wenden.


Die Rolle der Vertrauensperson besteht darin, den Standpunkt des Kindes während der Platzierung zu vertreten und für das Kind eine neutrale Bezugsperson zu sein. Die Vertrauensperson muss eine gewisse Distanz wahren, um sich nicht von den Überlegungen und Interessen der anderen betroffenen Akteurinnen und Akteuren beeinflussen zu lassen. Wie und wer als eine Vertrauensperson zu berufen ist und weitere Fragen der konkreten Umsetzung werden nach wie vor diskutiert (vgl. Seiterle 2017).


Es ist deshalb notwendig, dass eine neue Praxis etabliert wird, damit systematisch eine Vertrauensperson zugewiesen wird.
Die Zusammenarbeit mit dem Bezugssystem und insbesondere den Eltern gestaltet sich im Einzelfall recht unterschiedlich. Es sind hier verschiedene Zielsetzungen denkbar. Es können mindestens drei Ebenen in der Arbeit mit der Herkunftsfamilie ausgemacht werden:


  1. Elternarbeit von Fachperson der platzierenden Stellen/ der Fallführung
  2. Elternarbeit am Platzierungsort
  3. Zusätzliche Fachstelle die die Elternarbeit durchführt

Übergang zu Betreuungsprozess


Sobald die Entscheidung über den Platzierungsort unter Beteiligung der jungen Menschen und ihres Bezugssystems sowie der Heime bzw. Pflegefamilien getroffen werden konnte, beginnt die Aufnahmephase.

Wie diese Phase ausgestaltet wird, ist abhängig von vorgesehenen Abläufen bzw. individuellen Ausgestaltungsmöglichkeiten seitens der Angebote und seitens der platzierenden Stellen. Sie sollte jedoch auch den Bedingungen und Erwartungen der Kinder und Jugendlichen selbst angepasst sein.

Der Übergang stellt für Kinder und Jugendliche sowie deren Familiensystems häufig eine hoch sensible und für den weiteren Verlauf entscheidende Phase in Bezug auf Kontinuitäten/Diskontinuitäten dar. Die Übergänge müssen deshalb umsichtig ausgestaltet werden. In Bezug auf Verantwortungs- und Rollenbereiche müssen die Übergänge auch zwischen den bisherigen und neu involvierten Akteurinnen und Akteuren geklärt werden.

Siehe auch:

Aufnahmegespräch

Das Aufnahmegespräch ist der Zeitpunkt, an dem der Übergang in die Institution bzw. die Pflegefamilie manifest wird. Im Vorfeld muss geklärt werden, wer den jungen Menschen zum Platzierungsort begleitet. Im Gespräch werden dann letzte Absprachen zwischen Fallführung bzw. Beistandschaft, dem jungen Menschen und allenfalls mit Personen aus seinem Bezugssystem sowie der Institution bzw. Pflegefamilie getroffen.

Präzisierung des Auftrags und des Platzierungsziels

In der ersten Zeit nach der Aufnahme wird häufig erst klarer erkennbar, wo die Problemstellungen und Förderbedarfe des jungen Menschen und allenfalls seines Bezugssystems liegen. Hieraus kann sich ergeben, dass grundlegendePlatzierungsziele  zu verändern sind. Insofern kommt in dieser Phase dem Dialog zwischen den Fachpersonen am Platzierungsort und der platzierenden Stelle eine hohe Bedeutung zu. Wie intensiv dieser Dialog gestaltet wird und wer an welchem Punkt den Kontakt sucht, variiert im Einzelfall.

Siehe auch:

Austausch zum Stand der Platzierung

Im Rahmen der Zusammenarbeit im Betreuungsprozess tauschen sich die beteiligten Institutionen zwischen den jeweiligen Standortgesprächen aus. Wie intensiv Die Intensität des dieser Austausch s ist, hängt stark von der Entwicklung des jungen Menschen im Einzelfall und den Vereinbarungen zwischen den Akteuren abhängig.

Siehe auch:

Standortgespräch Stao

Das Stao ist das zentrale, gemeinsame Planungs- und Auswertungsgespräch.

In der Regel nehmen daran die jungen Menschen und die wichtigsten Personen ihres Bezugssystems, die Pflegefamilie bzw. Fachpersonen des Heims und die fallführende Fachperson teil. Darüber hinaus kann der Personenkreis aber auch erweitert werden (z.B. um Vertrauenspersonen; Lehrpersonen; etc.).

Zentrale Bestandteile des Stao sind: Die Auswertung der mit der Platzierung verbundenen Ziele und  die Frage nach der zeitlichen Perspektive der Platzierung.

Empfehlung

Das Stao muss protokolliert und die getroffenen Vereinbarungen möglichst von allen Beteiligten unterzeichnet werden.

  • Blülle Stefan (2013). Kinder und Jugendliche platzieren - Ein Handlungsleitfaden für platzierungsbegleitende Fachpersonen. In: integras (Hrsg.), Leitfaden, Seiten 56ff. und «Merkpunkte für Stao» als pdf (S. 58)

Reflexionsfragen:

  • Wer lädt zu dem Gespräch ein?
  • Wo findet es statt?
  • Wer leitet es?
  • Sind die Räumlichkeiten angemessen?
  • Wer schreibt das Protokoll (dieses ist allenfalls die Grundlage für die weitere Beauftragung des Heims bzw. der FPO)?

Beendigung der Platzierung und Abschlussgespräch

Der Austritt muss sowohl pädagogisch, d.h. auf der Beziehungsebene, wie auch organisatorisch vorbereitet und gestaltet werden. So kann es etwa sein, die Finanzierung für eine Nachbetreuung organisiert werden muss, etc. In einem Abschlussgespräch wird der pädagogische Prozess abgeschlossen und gemeinsam ausgewertet.

Siehe auch:

Anschlussperspektiven

Je nach Anschlusskonstellation müssen die platzierenden Stellen, im Zusammenwirken mit weiteren Akteuren, Übergänge gestalten.
Dabei sind vor allem vier Szenarien — auch in Kombination — denkbar:

  1. Rückführung in Familie
  2. Verselbständigung in eigene Wohnung (mit oder ohne Begleitung)
  3. Andere Institution
  4. Nachbetreuung

Siehe auch:

Fallführung, Fallbegleitung und Beistandschaft

"Basierend auf dem Grundsatz, dass alle Platzierungen durch eine externe Fachperson begleitet sein sollten, erfordern Platzierungen immer eine Fallführung" (Blülle 2013, S. 37). Es lässt sich unterscheiden zwischen angeordneter und vereinbarter Fallführung bzw. Platzierungsbegleitung.

Die fallführende Person hat den übergreifenden Auftrag, im Prozess der Platzierung und Betreuung mit dem jungen Menschen und seinem Herkunftssystem zusammenzuarbeiten. Die genaueren Aufgaben und Rollen der fallführenden bzw. platzierungsbegleitenden Fachpersonen sind jedoch in hohem Mass abhängig von

  • Platzierungsauftrag ((angeordnet durch KESB bzw. Jugendstrafbehörde oder nicht angeordnet in verschiedenen Facetten)
  • den jeweiligen kommunalen und kantonalen gesetzlichen Rahmungen, den strukturellen Gegebenheiten und der Ausgestaltung der Leistungsprozesse innerhalb des Dienstes, in dem sie wahrgenommen wird.

Wie sich in der Praxis zeigt, können geringe Stellenprozente pro Mandat – oft pro Fall ein Stellenprozent – für die fallführenden Personen belastend sein. Schwierig ist mitunter auch, dass die Fallführenden zwischen Auftraggebenden und den jungen Menschen  stehen. Immer wieder müssen auch Abstriche in der fachlichen Ausgestaltung gemacht werden.

Eine durch die KESB angeordnete Fallführung ist in der Regel eine Beistandschaft (Art. 308 Abs. 1f. ZGB). Zwar bleibt die KESB grundsätzlich federführend im Verfahren, mit dieser Mandatierung wird aber die Zugangslegitimation des Beistands zum jungen Menschen, dessen Bezugssystem und anderen relevanten Personen und Institutionen sichergestellt.

Im Jugendstrafrecht ist die Fallführung eindeutig der Jugendanwaltschaft (bzw. je nach kantonalem Begriff auch dem Jugendgericht) zugeordnet.

Bei nichtangeordneten Platzierungen übernimmt die Fallführung in der Regel zum grössten Teil eine hierfür spezialisierte Stelle, doch ist dies stark von kantonalen und kommunalen Strukturen abhängig.

Der zuständigen Behörde wie auch der mandatierten Fallführung steht es offen, für den Entscheid über eine Platzierung und/oder für die Formulierung eines Auftrags weitere Fachpersonen beizuziehen. Diese können Fachpersonen sein, die am Fall bereits länger beteiligt sind (bspw. Schulsozialarbeit, Sozialpädagogische Familienbegleitung), oder ein spezifisches Fachwissen zur vorliegenden Konstellation, zur Problemstellung (beispielsweise Diagnosegruppe) oder zum Umgang mit akuten Krisen (beispielsweise Krisengruppe) aufweisen.


Wie sich in der Praxis zeigt, ist besonders im Übergang zum Betreuungsprozess dringend zu klären, wer sich als "Fallführung" versteht, welche Rollen die Fachpersonen in Bezug auf die Fallführung einnehmen und welche Erwartungen damit im Zusammenhang stehen.


Siehe auch:

Im Betreuungsprozess müssen platzierende Stelle sowie die ausführende Stelle in ihren Rollen klar erkennbar sein. Auch die Rolle der Sorgeberechtigten als formal Auftraggebende bei nichtangeordneten Platzierungen ist zu berücksichtigen.

Im Betreuungsprozess ist in der Praxis häufig zu beobachten, dass platzierende Fachpersonen ihre Aufgaben zur Initiierung einer Platzierung zuverlässig wahrnehmen. Nach der Aufnahme eines jungen Menschen am Platzierungsort wird ihre Rolle aber in vielen Fällen diffuser.

Entgegen dem oben genannten Grundsatz unterbleiben teils Aktivitäten zur Platzierungsbegleitung ganz oder die Fachpersonen ordnen sich der Handlungslogik des Platzierungsortes unter.

Das kann dazu führen, dass eine Platzierung und zukünftige Entscheidungen von den Heimen, den DaF oder Pflegefamilien gesteuert werden. Dadurch wird der "Grundsatz der Fallführung" unterlaufen.

Hilfreich zur Reflexion der Strukturqualitäten einer Platzierungsbegleitung ist die Auflistung von Blülle (2013, S. 44).

Wie sich in der Praxis zeigt, ist die Frage nach Fallführung bei nichtangeordneten Platzierungen häufig ungeklärt. Entsprechend kann es vorkommen, dass die Verantwortung für die Fallführung unklar ist und das Wissen bzw. Entscheidungsgrundlagen kaum transparent und partizipativ zusammengeführt werden. Dies gilt es im besten Interesse des Kindes zu verhindern.

Siehe auch:

Abschluss bzw. Übergabe der Fallführung

Allenfalls verändern sich auch die Verantwortlichkeiten in dem jeweiligen Einzelfall und die Fallführung bzw. die Aufgaben einer Beistandschaft müssen dokumentiert und gegebenenfalls einer anderen Institution übergeben werden

Ebene PLATZIERENDE STELLEN

Hier sind zum einen die für die formalen Anordnungen zuständigen Institutionen gemeint (KESB und Jugendstaatsanwaltschaft). Darüber hinaus sind Prozessschritte der fallführenden bzw. platzierungsbegleitenden Fachpersonen abgebildet, wie zum Beispiel der Beistandschaft, Sozialdienste, Schulbehörden.

AUFNAHMEPHASE

Nachdem im Platzierungsprozess eine Einigung über Betreuungsform und -ort erzielt wurde, bereitet die platzierungsbegleitende Fachperson die Aufnahme des jungen Menschen sorgfältig vor. Dies geschieht gemeinsam mit der zukünftigen Betreuungsinstitution bzw. Pflegefamilie. Die Aufnahme und Eingewöhnung muss schrittweise vor sich gehen und für den jungen Menschen möglichst wenig beeinträchtigend sein.

Die Aufnahmephase ist dadurch gekennzeichnet, dass die Betreuungspersonen, der junge Menschen sowie dessen Herkunftssystem eine pädagogische Beziehung aufzubauen beginnen. In der gemeinsamen Erziehungs- bzw. Betreuungsplanung werden die mit der Platzierung verbundenen Ziele bzw. die Zielsetzungen aus den Stao konkretisiert und in kleine Schritte übersetzt. Mit der Aufnahme beginnt auch die Dokumentation und Aktenführung durch die Pflegefamilie oder die Institution.

Daneben wird ab jetzt die Zusammenarbeit der beteiligten Fachpersonen in veränderter Konstellation weitergeführt. Es ist wichtig, dass die Fallführung weiterhin durch eine Fachstelle wahrgenommen wird.

Siehe auch:

  • Quality 4Children, Standardbereich 1, S. 27f.
  • Blülle 2013, S. 42ff.

AUFENTHALT

Der Zeitraum zwischen Aufnahme- und Austrittsphase stellt die Aufenthaltsphase dar.

Im Kern wird hier der auf die jeweilige Entwicklung des jungen Menschen bezogene pädagogische Prozess fortlaufend geplant, begleitet und ausgewertet.

Die Aufenthaltsphase ist  in der Regel der längste Zeitraum einer Platzierung.

Allenfalls neuer Entscheid durch KESB, JStrB notwendig

Bei angeordneten Platzierungen sind Fristen des Verfahrensrechts, des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts bzw. des Jugendstrafrechts u.a. bedeutend.

AUSTRITTSPHASE

Diese Phase ist geprägt von der Ablösung des jungen Menschen vom Betreuungsort und den damit verbundenen Beziehungen. Der Übergang zu einem neuen Lebensort muss hier von den Fachpersonen gestaltet werden. Grundsätzlich sind drei Szenarien denkbar:

  • sie / er tritt in ein eigenständiges Leben ein
  • sie / er kehrt ins Herkunftssystem zurück
  • sie / er wird an einem anderen Ort betreut

In der Austrittsphase geht es darum, den pädagogischen Prozess abzuschliessen und den Übergang in ein neues, passendes Arrangement zu planen (vgl. Zusammenarbeit Fachpersonen). Als Sonderfall dieser Phase wird ein vorzeitiger, ungeplanter Abbruch einer Platzierung betrachtet.

Siehe auch: Zusammenarbeit Fachpersonen

Auswertung der Platzierung

Der junge Mensch und seine Herkunftsfamilie werden als Experten für die Qualität des ganzen Fremdplatzierungsprozesses anerkannt. Ihr Feedback ist grundlegend, um die Qualität der Betreuungseinrichtung und die Zusammenarbeit der Fachpersonen weiterzuentwickeln.

Empfehlung

Eine systematische Auswertung des Einzelfalls ist sowohl auf der Ebene der Fallführung sowie — bei angeordneten Platzierungen — durch die KESB bzw. die Jugendstrafbehörden sinnvoll. Dabei sind folgende Fragen wichtig:

  • Inwieweit war die Platzierung angemessen?
  • Wie hat die Zusammenarbeit funktioniert?
  • Wie können die fallbezogenen Auswertungsergebnisse aggregiert und systematisch betrachtet werden?
  • Welche Massnahmen werden abgeleitet

Siehe auch:

Der Prozess hat zum Ziel, dass junge Menschen in ausserfamiliärer Betreuung dabei unterstützt werden, „ihre Zukunft zu gestalten und zu selbstbewussten, unabhängigen und aktiven Mitgliedern der Gesellschaft heranzuwachsen. Dies wird durch das Leben in einem unterstützenden, schützenden und fürsorglichen Umfeld gefördert.“ (Q4C S.30, Standardbereich 2).

Im Betreuungsprozess werden die Ebenen Platzierende Stellen (unten) und Ebene Heim- und Pflegekinderbereich (oben) unterschieden. Beide Ebenen wirken, beginnend mit dem Aufnahmegespräch, an den in der Mitte dargestellten Prozessschritten mit.

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