Platzierungsprozess

Der Platzierungsprozess wird hier verstanden als Zeitraum zwischen einem behördlichen Auftrag oder einem formalen elterlichen Auftrag für eine Fremdplatzierung eines jungen Menschen und dessen Eintritt in ein für seine Bedarfslage geeignetes Angebot (im Heim- oder Pflegekinderbereich).

Platzierungsprozess

Anleitung und Legende

Anleitung

Auf dem hier abgebildeten Platzierungsprozess werden die Schritte zwischen einer kindeswohlrelevanten Problemkonstellation und der Ankunft des Kindes am (neuen) Platzierungsort aufgezeigt. Im Übergang zu dieser Ankunft startet der Betreuungsprozess.
Die Navigationsfläche ist aufgeteilt in angeordnete Platzierung (oben) und nicht angeordnete Platzierung (unten). Die zwei Wege im Suchprozess nach einem geeigneten Platzierungsort für Kinder und Jugendliche fallen nach rechtlich unterschiedlich gelagertem Start zusammen, sobald es um die Präzisierung des Auftrags geht.
Hinter den abgebildeten Prozessschritten befinden sich jeweils kurze Beschreibungen zu den Schritten, aber auch Verweise auf übergreifende, fachlich relevante Themen oder Materialien.

Legende

  • Dünne Pfeile: Hauptpfade zur Platzierung (Entscheidungspfad)
  • Kreise: verweisen auf notwendige Entscheidungen im Platzierungsprozess
  • Rechtecke: verweisen auf weitere Schritte, Aktionen und Handlungen im Platzierungsprozess
  • Rechtecke mit gestricheltem Rand: verweisen auf Schritte, Aktionen und Handlungen vor dem formalen Start zum Platzierungsprozess.
  • Dicke Pfeile im Hintergrund: zeigen die Themen „Zusammenarbeit mit jungen Menschen und ihrem Bezugssystem“ und „Fallführung, Fallbegleitung und
    Beistandschaft“, die den gesamten Prozess massgeblich mitprägen.
  • Grüne Kreispfeile im Hintergrund: visualisieren die Zirkularität und Unberechenbarkeit des gradlinig wirkenden Prozesses

Kindeswohlabklärung und Bedarfseinschätzung

Bis es zur „Kindeswohlabklärung und Bedarfseinschätzung“ im Auftrag der KESB kommt, waren in den meisten Fällen bereits verschiedene professionelle Akteure sowie allenfalls (teil)ambulante Massnahmen involviert.

Dieser Schritt steht deshalb immer für eine Zäsur zwischen Prozessen, die eine Kindeswohlgefährdung vermuteten, wahrnahmen und diagnostizierten, und den Prozessen der Platzierung selbst, die darauf folgen. Deshalb werden hier auch Kindeswohlabklärung und Bedarfseinschätzung als Einheit gedacht.

Die Wissenslandschaft Fremdplatzierung – WiF.swiss – startet im Prozess dort, wo nach Abklärung und Bedarfseinschätzung eine Fremdplatzierung festgelegt wurde. Sie ist sich dabei stets bewusst, dass das Vorher in die weiteren Überlegungen miteinbezogen werden muss.

Der weitere Verlauf der Platzierung wird massgeblich von den bis hier beteiligten Personen geprägt, ebenso durch die eingesetzten Vorgehensweisen/Instrumenten und den festgehaltenen Informationen.

Siehe auch:

Die Argumente, die seitens der Behörden (KESB/ JStrB) für den Entscheid einer Platzierung verwendet werden, basieren massgeblich auf den vorgenommenen Kindeswohlabklärungen und Bedarfseinschätzungen. Deshalb stellen diese insbesondere für die jungen Menschen eine markante Zäsur dar.


Deshalb kommt den Kindeswohlabklärungsinstrumenten zu Recht auch eine grosse fachliche Aufmerksamkeit zu. Sie teilen den Prozess oft auf in ein davor und ein danach. Zudem abstrahieren sie die Realität und schaffen so stets auch schriftliche Tatsachen für weitere Entscheide.

Mit Blick auf eine verantwortungsvollen Entscheidungsfindungen sind fachlich ausdifferenzierte und auf den Einzelfall angewandte Abklärungsinstrumente notwendig.


Fachlich ist es deshalb zu begrüssen, dass Abklärungsinstrumente, die empirisch abgesichert sind und transparent eingesetzt werden, zunehmend auch in der Schweiz ausgearbeitet und eingesetzt werden (vgl. "weiterführende Literatur").


Wie sich in der Praxis zeigt, können Fachpersonen mit einem starken Fokus auf ein Instrument jedoch auch Aspekte, die das verwendete Instrument nicht berücksichtigt, aus dem Blick geraten. Nicht nur was abgeklärt wird, sondern auch wie die Abklärung durch einzelne Fachpersonen vorgenommen wird, ist also ein wichtiger Faktor. Auch bei Abklärungsinstrumenten können relevante Wissensbestände ausgeblendet, oder aber andere zu sehr gewichtet werden.


Andererseits kommt es auch vor, dass im Rahmen von weiteren Abklärungen, die auf vorhergehende Kindeswohlabklärungen oder Bedarfseinschätzungen folgten, einzelne Erkenntnisse und Zuschreibungen kritiklos übernommen werden. Das kann dazu führen, dass Veränderungen im Umfeld des Kindes übersehen oder die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen und ihrem Bezugssystem vernachlässigt wird. Insofern müssen Erkenntnisse, die im zeitverlauf gesammelt worden sind, immer wieder vor der sich wandelnden Lebenswirklichkeit der jungen Menschen neuinterpretiert werden.


Siehe auch:

ANGEORDNETE PLATZIERUNG

Ergeben Kindeswohlabklärungen und Bedarfseinschätzungen – sei es im Kontext des freiwilligen, zivilrechtlichen oder strafrechtlichen Kinderschutzes (Quelle: Häfeli, Christoph. (2016). Grundriss zum Kindes- und Erwachsenenschutz (2. Aufl.). Bern: Stämpfli Verlag) –, dass das Kindeswohl im bisherigen Umfeld akut gefährdet ist, ordnet die zuständige Behörde (KESB oder JStrB) die Platzierung eines jungen Menschen an.

Angeordnete Platzierungen können entweder als zivilrechtliche Kindesschutzmassnahme durch die KESB (Art. 310 ZGB: Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts) oder als Massnahme im Kontext des Jugendstrafrechts (JStG) durch die kantonale Jugendstrafbehörde (JStrB) (vgl. Manzoni/Baier & Eberitzsch 2018) erfolgen. 

Ein zentrales Ziel ist in beiden Fällen, das Kindeswohl sicherzustellen und allenfalls eine akute Gefährdung abzuwenden. Das muss im äussersten Fall auch gegen den Willen des betroffenen jungen Menschen und/oder deren Erziehungsberechtigten geschehen.
Folglich kann eine angeordnete Platzierung – je nach Situation – für junge Menschen und deren Bezugssystem als einschneidendes staatliches Handeln erlebt werden, dem gegenüber sich die Betroffenen ohnmächtig fühlen können.

Vor diesem Hintergrund ist bei angeordneten Platzierungen insbesondere nach den Grundsätzen der Subsidiarität, Verschuldensunabhängigkeit, Komplementarität und Verhältnismässigkeit zu handeln. Weiterhin ist möglichst frühzeitig zu klären ob auf eine Rückplatzierung, also auf eine Zusammenführung der jungen Menschen und ihres Bezugssystems, hingearbeitet werden kann.

Behördenentscheid Platzierung KESB / JStrB

Die zuständige Behörde (KESB oder JStrB) entscheidet, ob eine Platzierung des Kindes und somit der offizielle Start eines Platzierungsprozesses anzuordnen ist. Dabei stützt sie sich auf die zusammengezogenen Erkenntnissen, Ergebnissen und Empfehlungen der "Kindeswohlabklärung und Bedarfseinschätzung“ - beide jeweils in einem Gremium) ab. Falls die Ergebnisse der vorliegenden Abklärungsberichte und Diagnosen diesen Entscheid eindeutig stützen, wird eine Platzierung angeordnet sowie eine erste Finanzierungsfrist festgelegt.

Kommen minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung von Erziehungsberechtigten in der Schweiz an (und wird die Minderjährigkeit im Asylverfahren anerkannt), kommt es zu einer Kombination von zuständigen Systemen:  Einerseits sind verschiedene Akteurinnen und Akteure der Kinder- und Jugendhilfe und des Kindesschutz zuständig für die Sicherung des Wohls sowie die Platzierung der jungen Menschen. Parallel dazu gibt es einen (Regel-)Platzierungsprozess des Asylverfahrens (Staatssekretariat für Migration). In dieser doppelten Behördenlogik gilt es insbesondere kinderrechtliche Grundsatzfragen stets als höchstes Gut zu wahren.


Mehr dazu:

Errichtung Beistandschaft

Mit dem Behördenentscheid für eine Fremdplatzierung wird in der Regel eine Beistandschaft errichtet (Art. 308 Abs. 1 u. 2 ZGB). Die Beistandschaft hat den Auftrag, im Verfahren der Platzierung und Betreuung den jungen Menschen ausdifferenziert und stets bezogen auf den Einzelfall zu vertreten. Hierzu gehört auch, dass die Beistandschaft überwacht, dass die Rechte des jungen Menschen beachtet werden oder dass sie die Erziehungsberechtigten mit Rat und Tat unterstützt. Auf dieser Basis umfasst ihr Mandat die Fallführung bzw. Platzierungsbegleitung.

Bei erheblicher Gefährdung des Kindeswohls kann den Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht (Art. 310 ZGB) entzogen werden. Wird gar beiden Eltern die Sorge um das Kind entzogen (Art. 311 ZGB), erhalten die Kinder einen Vormund (ebd.), was allerdings nur sehr selten vorkommt. Die KESB muss im Entscheid-Dispositiv in jedem Falle die Aufgabe des Beistandes und allfällige Beschränkungen der elterlichen Sorge festhalten.

KESB/JStrB formuliert Auftrag

Die zuständige Behörde (KESB oder JStrB) formuliert jeweils einen ausdifferenzierten, auf den jeweilige Platzierung bezogenen Auftrag, den eine Mandatsführung umsetzen wird. Hierfür greift sie zurück auf verfügbare (oder auch ausgewählte) Informationen aus der Kindeswohlabklärung und Bedarfseinschätzung.

Aus den darin erkannten Ressourcen und Problemkonstellationen seitens der jungen Menschen und ihres Bezugssystems leiten die Behörden die Inhalte des Auftrags ab. Der Auftrag kann aber auch weitere Ausdifferenzierungen, Abklärungsberichte und Diagnosen durch Mandatsführung einfordern.
Sobald der Auftrag formuliert ist, wird er an die Stelle(n) oder Person(en) übergeben, die für die konkrete Umsetzung der Kindesschutzmassnahme in Form einer Platzierung zuständig sind. Er stellt die Grundlage des künftigen Mandats der (zumeist parallel zur Formulierung des Auftrags) errichteten Beistandschaft dar.

Siehe auch:

Kritische Reflexion der Auftragsinhalte

Eine Präzisierung des Auftrags besteht häufig darin, dass die im Auftrag genannten Ziele ausdifferenziert werden.

Empfehlung

Die Präzisierung bietet stets auch die Möglichkeit, kritisch zu reflektieren, wie, warum und wer zu den vorliegenden Themen im Auftrag gelangt ist – und welche noch fehlen. Um mit einer fallbezogenen Suche eines Platzierungsortes beginnen zu können, kann es mitunter notwendig sein, den Auftrag fundiert zu präzisieren. Dabei führen unterschiedliche fachliche Haltungen, Vorstellungen, Gewichtungen und Methoden immer wieder auch zu unterschiedlichem Fallverstehen und unterschiedlichen Auftragsvorstellungen. Falls dies eintrifft, ist es Aufgabe der fallführenden Person/Stelle diese Differenzen im Sinne eines ganzheitlichen Fallverstehens aufeinander zu beziehen, anstatt sie gegeneinander auszuspielen. Mandatierte Beistandspersonen können Anträge auf weitere Auftragsinhalte stellen

Die Zusammenarbeit mit jungen Menschen und ihrem Bezugssystem ist neben fachlichen Argumenten ein zentraler Bestandteil der kritischen Reflexion. Wie sich in der Praxis zeigt, kann ungenügende Zusammenarbeit zu Rückzug, Furcht oder zum Einschalten einer rechtlichen Vertretung führen. Das erschwert eine gemeinsame, kritische Reflexion der Auftragsinhalte zusätzlich.


Hingegen helfen Qualitätsstandards wie bspw. Quality for Children jungen Menschen und ihrem Bezugssystem, kritische Fragen zu stellen. Seit 2017 berät und informiert auch die unabhängige Anlaufstelle keschaPersonen, die von einer Massnahme des Kindes- oder des Erwachsenenschutzes betroffen sind.

Der formale Ablauf des Platzierungsprozesses hält fest, dass die KESB dem Beistand/der Beiständin den ausdifferenzierten Auftrag zur Platzierung des Kindes/der Jugendlichen erteilt. Wie das Mandat geführt wird, ist hingegen Sache der Beiständinnen und Beistände, wodurch der Auftrag fachlich gesehen zu einem gemeinsamen Auftrag der KESB und der Mandatsführung wird, und nicht zu einer Unterordnung. Wie sich in Forschung und Praxis zeigt, gibt es in diesem dynamischen Auftragsverhältnis im Sinne einer Wahrung von Fachlichkeit noch verschiedene Klärungsbedarfe.

Präzisierung des Auftrags

Die Fallführung, Fallbegleitung oder die Beistandschaft, die den Auftrag der Platzierung eines jungen Menschen ausführt, beginnt in der Regel damit, den Auftrag zu konkretisieren. Dabei bezieht sie gegebenenfalls weiterführende Erkenntnisse aus Abklärungen für eine angemessene Umsetzung mit ein.

Die Präzisierung soll jeweils eine detaillierte Passung zwischen (interdisziplinären) Auftragsinhalten, Bedürfnissen der jungen Menschen und ihrem Bezugssystem sowie bestehenden Angeboten ausarbeiten. Je nach Dringlichkeit und Komplexität des Falls sowie Ausarbeitungsgrad des Auftrags ist eine Präzisierung in wenigen Arbeitsschritten gemacht. Es kann aber auch sein, dass sie aus fachlicher Sicht weiterer Abklärungsberichte und Diagnosen sowie  kritischer Reflexionen bedarf.

Präzisierungen der Platzierungsziele sind sowohl in angeordneten wie auch nichtangeordneten Platzierungen wichtige Bestandteile des Prozesses. Deshalb werden diese zwei unterschiedlichen Prozesswege ab diesem Prozessschritt auch zusammengeführt.

Siehe auch:

Allenfalls Prozessbegleitung durch Dienstleistungsanbieter

Nach der Präzisierung des Auftrags bzw. als Ergebnis der Präzisierung besteht für die Fallführung auch die Möglichkeit die weiteren Prozessschritte (Angebotssuche, Entscheidung über Platzierungsort, Aufnahmeprozess) durch Dienstleistungsanbieter durchführen zu lassen. Hierbei kann unterschieden werden zwischen DAF und Dienstleistungsanbietern ausserhalb der Familienpflege. Entgeltliche wie auch unentgeltliche Dienstleistungsanbieter sind in der Regel gegenüber der zentralen kantonalen Behörde meldepflichtig und deren Aufsicht unterstellt.

Siehe auch:

Angebotssuche und -auswahl

Welche Form der Platzierung den Bedarfslagen, Bedürfnissen und Zielen der jungen Menschen am meisten entspricht, wird idealerweise aus allen bisherigen Erkenntnisse zum je individuellen Fall abgeleitet. Die Angebotslandschaft ist nach passenden Angeboten abzusuchen, welche die definierten Ansprüche abdecken. Die Suche basiert einerseits auf bisherigem Erfahrungswissen der fallführenden Person oder Stelle, es sollten aber auch bisher kaum bekannte Angebote, welche die gesuchte Bedingungen erfüllen, angefragt werden. Eine solche Auswahl des Angebots dient als Grundlage der tatsächlichen Entscheidung über den Platzierungsort.

Empfehlung

Bei dieser Entscheidung muss den jungen Menschen möglichst eine Wahlmöglichkeit eingeräumt werden.

Siehe auch:

Wie sich in der Praxis zeigt, entsteht die Angebotsauswahl schliesslich zu oft noch auf pragmatischen anstatt auf einzelfallbezogenen Erkenntnissen (bspw. da, wo es Platz hat, wo man jemanden kennt). Die ausdifferenzierten Abklärungsberichte und Diagnosen oder umsichtig aufgegleiste Zusammenarbeit mit jungen Menschen und ihrem Bezugssystem können dann – falls vorhanden – im Missverhältnis zur geringen Differenzierung der pragmatischen Angebotssuche stehen.


Gleichzeitig besteht ein Teil des professionellen Handelns auch darin, dass man sich auch auf individuelles Erfahrungswissen der Fachpersonen verlässt: Das Wissen über das „Innenleben“ von Angeboten ist mehr als „nur“ das Wissen über Angebote, das auf Konzepten oder Internetseiten basiert. Hinzu kommt, dass sich das „Schnuppern“ der jungen Menschen und entsprechend auch die gesamte Übergangsgestaltung manchmal schwierig gestalten, bspw. wegen fehlender Ressourcen bei Angeboten. Schliesslich kommt (spätestens) in dieser Phase auch immer wieder die polarisierende Frage nach Heim oder Pflegefamilie auf.


Siehe auch:


Entscheidung über den Platzierungsort

Im Idealfall führen die bisherigen Prozessschritte und Erkenntnisse zu einer konkreten Auswahl an Platzierungsorten, welche die Bedarfslagen und Bedürfnisse decken. Zunächst muss über die beiden Grundvarianten, Platzierung in einer Institution oder einer Pflegefamilie entschieden werden. Mit einem "Schnuppern vor Ort" sollten junge Menschen (und deren Bezugssystem) dann auch selbst überprüfen können, ob der vorgeschlagene Ort ihnen entspricht und zusagt.

Empfehlung / Hinweis

Zu dieser Entscheidung gehört nicht nur, den künftigen Ort des Aufwachsens zu bestimmen. Ebenso sind  nächste Schritte, mögliche Perspektiven, Rahmenbedingungen und Verantwortungsbereiche festzulegen. Es ist für alle Beteiligten zu klären, was diese Entscheidung für sie konkret nach sich ziehen wird.

Je eher Ziele, Wünsche, Bedarfe und Kompetenzen der jungen Menschen und ihres Bezugssystems von JStrB/KESB/Beistandschaft erkannt und von den Angeboten abgedeckt werden ("Matching“), desto erfolgsversprechender ist eine Platzierung einzuschätzen.

Siehe auch:

Zusammenarbeit mit den jungen Menschen und ihrem Bezugssystem

Für den Verlauf und die Wirkung der gesamten Platzierung ist es zentral wichtig, von Beginn an mit den jungen Menschen und ihrem Bezugssystem intensiv zusammen zu arbeiten. Die Bedingungen für eine gelingende Zusammenarbeit sind in allen Prozessschritten und auch bei komplexen Bezugssystemen anzustreben und zu ermöglichen.

Zum Bezugssystem der jungen Menschen gehören die formal Erziehungsberechtigten, aber auch „soziale Eltern“, Grosseltern, Geschwister, Freunde und Partnerinnen oder Partner (bei Jugendlichen) sowie weitere, für sie relevante Menschen.

Wie sich in der Praxis zeigt, kann die Zusammenarbeit eine grosse Herausforderung darstellen, z.B. wenn die Ist- und Soll-Situationen unterschiedlich wahrgenommen werden. Die Fachpersonen müssen dann im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle teils mit Widerstand, und Konfrontation umgehen. Daneben aber auch an der Lebenswelt und den Wünschen der jungen Menschen und ihres Bezugssystems anschliessen. In einer pädagogischen Perspektive sind diese Widerstände sehr bedeutsam, da so Themen sichtbar werden, an denen gemeinsam gearbeitet werden muss.

Ziel der Zusammenarbeit ist es möglichst zu einem gemeinsamen Fallverstehen mit den jungen Menschen und ihrem Bezugssystem zu kommen, das nahe an deren Lebenswelt ist. Davon abgeleitet können die Beteiligten zu je angemessenen Entscheidung kommen. Bei der Zusammenarbeit bei angeordneten Platzierungen durch die KESB muss eine Verfahrensbeistandschaft bzw. Kindesvertretung oder Kinderanwalt (die Bezeichnung ist nicht einheitlich) angeordnet werden (vgl. KOKES-Praxisanleitung Kindesschutzrecht, Rz. 7.47ff. (Link dazu hier unter "Empfehlungen und Leitfäden" ).

Siehe auch:

Im Platzierungsprozess kann besonders in den nachfolgend aufgelisteten Prozessschritten Zusammenarbeit angestrebt und ermöglicht werden. Gleichzeitig zeigt sich in diesen Prozessschritten oft auch deutlich, ob und wie die Zusammenarbeit bis hierhin berücksichtigt und gelungen ist:


Im Betreuungsprozess muss die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen und ihres Bezugssystems im jeweiligen Einzelfall sichergestellt werden: Die umfassende Partizipation der jungen Menschen wird durch die Fachpersonen am Betreuungsort sowie durch die Beistandschaft und/oder fallführende Fachperson der platzierenden Stellen gefördert und gewährleistet.


Die Pflegekinderverordnung sieht vor, dass die Kinderschutzbehörde dafür sorgt, dass den Kindern, die in einer Pflegefamilie oder einer stationären Institution platziert werden, eine Vertrauensperson zur Seite gestellt wird. An diese können sie sich bei Fragen oder Problemen wenden.


Die Rolle der Vertrauensperson besteht darin, den Standpunkt des Kindes während der Platzierung zu vertreten und für das Kind eine neutrale Bezugsperson zu sein. Die Vertrauensperson muss eine gewisse Distanz wahren, um sich nicht von den Überlegungen und Interessen der anderen betroffenen Akteurinnen und Akteuren beeinflussen zu lassen. Wie und wer als eine Vertrauensperson zu berufen ist und weitere Fragen der konkreten Umsetzung werden nach wie vor diskutiert (vgl. Seiterle 2017).


Es ist deshalb notwendig, dass eine neue Praxis etabliert wird, damit systematisch eine Vertrauensperson zugewiesen wird. Die Zusammenarbeit mit dem Bezugssystem und insbesondere den Eltern gestaltet sich im Einzelfall recht unterschiedlich. Es sind hier verschiedene Zielsetzungen denkbar. Es können mindestens drei Ebenen in der Arbeit mit der Herkunftsfamilie ausgemacht werden:


  1. Elternarbeit von Fachperson der platzierenden Stellen/ der Fallführung
  2. Elternarbeit am Platzierungsort
  3. Zusätzliche Fachstelle die die Elternarbeit durchführt

Entscheidung Finanzierung

Fremdplatzierungen von jungen Menschen müssen hohen fachlichen Ansprüchen genügen und entsprechend finanziert werden. Je nach Platzierungsgrund müssen oder sollten Gemeinde, Kanton und/oder der Bund dafür aufkommen. Die Erziehungsberechtigten sind selten in der Lage die Kosten für die Platzierung selbst zu tragen. In der jeweiligen Ausgestaltung der Finanzierung gibt es (kantonal) jedoch sehr unterschiedliche Modelle (siehe z.B. Bretscher 2015, S. 25ff).

Auch wenn die Fachlichkeit als entscheidendes Argument für eine Fremdplatzierung eines jungen Menschen gilt, wird sowohl bei angeordneten wie auch bei nichtangeordneten Massnahmen schliesslich zwischen Aufwand und prognostiziertem Ertrag abgewogen. Die involvierten Akteure und ihre Argumente haben dabei aber ein unterschiedliches Gewicht.

Bei vereinbarten Platzierungen entscheidet je nach Kanton die jeweilige Gemeinde bzw. die verantwortlichen Schulbehörde definitiv über die Finanzierung der Platzierung und die Kostenbeteiligung der Erziehungsberechtigten. Bei angeordneten Platzierungen durch KESB oder JStrB sind die Kosten für eine nachweislich geeignete Platzierung gedeckt.


Wie sich in der Praxis zeigt, können Finanzierungsmodelle zwischen Gemeinden und Kanton auch bei angeordneten Platzierungen den Platzierungsprozess beeinflussen oder sogar hemmen.

Übergang zum Betreuungsprozess

Sobald die Entscheidung über den Platzierungsort unter Beteiligung der jungen Menschen und ihres Bezugssystems sowie der Heime bzw. Pflegefamilien getroffen werden konnte, beginnt die Aufnahmephase.

Wie diese Phase ausgestaltet wird, ist abhängig von vorgesehenen Abläufen bzw. individuellen Ausgestaltungsmöglichkeiten seitens der Angebote und seitens der platzierenden Stellen. Sie sollte jedoch auch den Bedingungen und Erwartungen der Kinder und Jugendlichen selbst angepasst sein.

Der Übergang stellt für Kinder und Jugendliche sowie deren Familiensystems häufig eine hoch sensible und für den weiteren Verlauf entscheidende Phase in Bezug auf Kontinuitäten/Diskontinuitäten dar. Die Übergänge müssen deshalb umsichtig ausgestaltet werden. In Bezug auf Verantwortungs- und Rollenbereiche müssen die Übergänge auch zwischen den bisherigen und neu involvierten Akteurinnen und Akteuren geklärt werden.

Siehe auch:

  • Walther et al.
  • Köngeter et al.
  • Gabriel & Keller
  • Themenverwandte Literatur zum Übergang im Betreuungsprozess: Ziel: Thema „Partizipation/Materialien“)

Fallführung, Fallbegleitung und Beistandschaft

"Basierend auf dem Grundsatz, dass alle Platzierungen durch eine externe Fachperson begleitet sein sollten, erfordern Platzierungen immer eine Fallführung" (Blülle 2013, S. 37). Es lässt sich unterscheiden zwischen angeordneter und vereinbarter Fallführung bzw. Platzierungsbegleitung.

Die fallführende Person hat den übergreifenden Auftrag, im Prozess der Platzierung und Betreuung mit dem jungen Menschen und seinem Herkunftssystem zusammenzuarbeiten. Die genaueren Aufgaben und Rollen der fallführenden bzw. platzierungsbegleitenden Fachpersonen sind jedoch in hohem Mass abhängig von

  • Platzierungsauftrag ((angeordnet durch KESB bzw. Jugendstrafbehörde oder nicht angeordnet in verschiedenen Facetten)
  • den jeweiligen kommunalen und kantonalen gesetzlichen Rahmungen, den strukturellen Gegebenheiten und der Ausgestaltung der Leistungsprozesse innerhalb des Dienstes, in dem sie wahrgenommen wird.

Wie sich in der Praxis zeigt, können geringe Stellenprozente pro Mandat – oft pro Fall ein Stellenprozent – für die fallführenden Personen belastend sein. Schwierig ist mitunter auch, dass die Fallführenden zwischen Auftraggebenden und den jungen Menschen  stehen. Immer wieder müssen auch Abstriche in der fachlichen Ausgestaltung gemacht werden.

Eine durch die KESB angeordnete Fallführung ist in der Regel eine Beistandschaft (Art. 308 Abs. 1f. ZGB). Zwar bleibt die KESB grundsätzlich federführend im Verfahren, mit dieser Mandatierung wird aber die Zugangslegitimation des Beistands zum jungen Menschen, dessen Bezugssystem und anderen relevanten Personen und Institutionen sichergestellt.


Im Jugendstrafrecht ist die Fallführung eindeutig der Jugendanwaltschaft (bzw. je nach kantonalem Begriff auch dem Jugendgericht) zugeordnet.

Bei nichtangeordneten Platzierungen übernimmt die Fallführung in der Regel zum grössten Teil eine hierfür spezialisierte Stelle, doch ist dies stark von kantonalen und kommunalen Strukturen abhängig.

Der zuständigen Behörde wie auch der mandatierten Fallführung steht es offen, für den Entscheid über eine Platzierung und/oder für die Formulierung eines Auftrags weitere Fachpersonen beizuziehen. Diese können Fachpersonen sein, die am Fall bereits länger beteiligt sind (bspw. Schulsozialarbeit, Sozialpädagogische Familienbegleitung), oder ein spezifisches Fachwissen zur vorliegenden Konstellation, zur Problemstellung (beispielsweise Diagnosegruppe) oder zum Umgang mit akuten Krisen (beispielsweise Krisengruppe) aufweisen.


Wie sich in der Praxis zeigt, ist besonders im Übergang zum Betreuungsprozess dringend zu klären, wer sich als "Fallführung" versteht, welche Rollen die Fachpersonen in Bezug auf die Fallführung einnehmen und welche Erwartungen damit im Zusammenhang stehen.


Siehe auch:

Im Betreuungsprozess müssen platzierende Stelle sowie die ausführende Stelle in ihren Rollen klar erkennbar sein. Auch die Rolle der Sorgeberechtigten als formal Auftraggebende bei nichtangeordneten Platzierungen ist zu berücksichtigen.


Im Betreuungsprozess ist in der Praxis häufig zu beobachten, dass platzierende Fachpersonen ihre Aufgaben zur Initiierung einer Platzierung zuverlässig wahrnehmen. Nach der Aufnahme eines jungen Menschen am Platzierungsort wird ihre Rolle aber in vielen Fällen diffuser.


Entgegen dem oben genannten Grundsatz unterbleiben teils Aktivitäten zur Platzierungsbegleitung ganz oder die Fachpersonen ordnen sich der Handlungslogik des Platzierungsortes unter.


Das kann dazu führen, dass eine Platzierung und zukünftige Entscheidungen von den Heimen, den DaF oder Pflegefamilien gesteuert werden. Dadurch wird der "Grundsatz der Fallführung" unterlaufen.


Hilfreich zur Reflexion der Strukturqualitäten einer Platzierungsbegleitung ist die Auflistung von Blülle (2013, S. 44).


Wie sich in der Praxis zeigt, ist die Frage nach Fallführung bei nichtangeordneten Platzierungen häufig ungeklärt. Entsprechend kann es vorkommen, dass die Verantwortung für die Fallführung unklar ist und das Wissen bzw. Entscheidungsgrundlagen kaum transparent und partizipativ zusammengeführt werden. Dies gilt es im besten Interesse des Kindes zu verhindern.


Siehe auch:

Abklärung und Bedarfseinschätzung durch spezialisierte Stelle

Eine spezialisierte Stelle (z. B. Sozialdienst) oder Person (zum Beispiel freiwilliger Beistand) startet den operativen Teil des Platzierungsprozesses. Dieser Prozess wird angestossen durch den formalen Auftrag der Erziehungsberechtigten und er nimmt Bezug auf bisherige Interventionen und Wissensbestände.

Die spezialisierten Stellen sind je nach Kanton und Gemeinde anders definiert und (fachlich wie auch personell) ausgestattet. Ihre Kompetenzen müssten aber denjenigen einer fachlichen Fallführung, Fallbegleitung und Beistandschaft entsprechen. So ist die spezialisierte Stelle nicht nur zuständig für Abklärungen und Bedarfseinschätzungen, die die Suche nach einem Platzierungsort inhaltlich leiten. Sie soll auch die weiteren Platzierungsprozesse sowie die Zusammenarbeit aller Beteiligten koordinieren und verantworten.

Empfehlung

Wie sich in der Praxis zeigt müssen die Verantwortungsbereiche und Rollen zwischen Gemeinden oder Schulgemeinden, Erziehungsberechtigten und weiteren Fachpersonen immer wieder ausgehandelt und für alle nachvollziehbar gemacht werden.

Siehe auch:

Formaler Auftrag Platzierung durch Erziehungsberechtigte

Damit es zu einer nichtangeordneten Platzierung kommt, muss von den Erziehungsberechtigten der jeweiligen jungen Menschen formal ein Antrag gestellt oder ein solcher zumindest formal unterzeichnet werden. Entweder übernimmt basierend auf diesem Antrag eine hierfür spezialisierte Stelle, die je nach Kanton anders definiert und ausgestattet wird, die notwendigen Abklärungen und Bedarfseinschätzungen. Oder basierend auf ihrer Abklärung und Bedarfseinschätzung wird ein Antrag erstellt. Auch die weitere Koordination des Platzierungsprozesses und der Zusammenarbeit aller Beteiligten liegt dann (in den meisten Kantonen) bei derselben Stelle.

Im Unterschied zur rechtlich angeordneten Platzierung sind in dieser Entscheidung offiziell weder KESB noch JStrB involviert. Es kommt zu keiner Anordnung. Die Behörden können teilweise aber im Rahmen von bisherigen ambulanten Massnahmen, Abklärungen oder Empfehlungen beteiligt gewesen sein. Schulbehörden und/oder Sozialdienste der Gemeinden sind häufig an den Entscheidungsprozessen beteiligt – insbesondere auch bezüglich der kantonal unterschiedlichen Finanzierungsfragen.


Denn obschon die Erziehungsberechtigten in jeder vereinbarten, nichtangeordneten Platzierung über den Aufenthaltsort ihres Kindes bestimmen können: konkret sind ihre Bestimmungs- und Entscheidungsmöglichkeiten eng gebunden an fachliche Erkenntnisse spezialisierter Stellen und an Kostenfragen, beispielsweise seitens der Sozialbehörden der Gemeinden. Denn es ist für Privatpersonen nur selten möglich, finanziell vollumfänglich für eine Fremdplatzierung aufzukommen. Deshalb wird hier auch vom "formalen Auftrag" durch Erziehungsberechtigte gesprochen. So kann der Auftrag auch aus einer engen fachlichen Begleitung oder einem behördlichen Druck entstanden sein.


Siehe auch:

  • Rosch & Hauri 2016 (S. 406)
  • Blülle 2013

NICHTANGEORDNETE PLATZIERUNG

Vereinbarte, nichtangeordnete Platzierungen erfolgen zumeist, wenn Problemkonstellationen und Bedarfslagen im bisherigen Umfeld des Aufwachsens eines jungen Menschen erkannt werden und eine grundlegende Problemeinsicht bei den Betroffenen vorhanden ist.

Die Problemkonstellation kann durch erziehungsberechtigte Personen, Fachpersonen privater oder öffentlicher Dienste und Angebote, Schulen und Gemeinden oder auch durch Kinder und Jugendliche selbst benannt werden.

Auch eine durch Behörden beauftragte Kindeswohlabklärung, deren Ergebnis keine Platzierung empfahl, kann eine Problemkonstellation deutlich machen und so zur Vereinbarung einer nichtangeordneten Platzierung führen. Im Unterschied zur angeordneten Platzierung geben hier Erziehungsberechtigte formal den Auftrag für eine Platzierung.

Häufig kommt es nicht ohne weitere Einflüsse zu einem formalen Auftrag durch Erziehungsberechtigte. So können sich Erziehungsberechtigte entweder mit einem entsprechenden Vorschlag von Fachpersonen aus den Feldern Kindesschutz oder Schule einverstanden zeigen.


Teils wird aber auch einer Vereinbarung zugestimmt um einer angeordneten Massnahme zuvorzukommen. Den Erziehungsberechtigten kommt im Platzierungs- und Betreuungsprozess rechtlich eine zentrale Bedeutung zu. Es muss eng mit ihnen zusammengearbeitet werden, um Entscheidungen zu fällen. Das Einverständnis der Kinder und Jugendlichen ist keine Voraussetzung für eine nichtangeordnete Platzierung.


Vereinbarte, nichtangeordnete Platzierungen werden in der Praxis oft auch „freiwillige Platzierungen“ genannt. Diese Bezeichnung gibt vor allem die rechtliche Differenz zwischen angeordneten und nichtangeordneten Platzierungen wieder.


Siehe auch:

Wie sich in der Praxis zeigt, besteht eine zentrale Herausforderung bei nichtangeordneten Platzierungen darin, die Rollen, Verantwortlichkeiten und Aufgaben aller je Beteiligten (Erziehungsberechtigte; unterschiedliche fachliche Stellen auf unterschiedlichen kommunalen und kantonalen Ebenen; allenfalls unterschiedliche Beistandschaften) soweit möglich frühzeitig zu klären. Damit zusammen hängen auch gelegentliche Unsicherheiten über die Verbindlichkeit von Hilfeplänen und Zielsetzungen im Betreuungsprozess seitens der Angebote wie auch seitens der jungen Menschen.


Siehe auch:

Problemkonstellation

Bis eine nichtangeordnete, vereinbarte Platzierung durch einen formalen Auftrag der Erziehungsberechtigten angestossen wird, bestehen zumeist aus verschiedenen Blickwinkeln bereits Problemkonstellationen und Bedarfslagen, die von den Akteurinnen und Akteuren selbst nicht mehr gelöst werden können.

Diese Problemkonstellationen können sich aus umwelt- und/oder personenbezogenen Merkmalen im nahen Bezugssystem der jungen Menschen, in der Schule oder in anderen Kontexten zusammensetzen. Dass ein Bedarf für eine Platzierung besteht, darauf können unterschiedliche Beteiligte hinweisen: Zum einen Kinder und Jugendliche selbst, oder Erziehungsberechtigte, Schulsozialarbeitende oder –psycholog*innen, aber auch Fachpersonen ambulanter Massnahmen oder der KESB sowie der JStrB.

Auch wenn – im Vergleich zu angeordneten Platzierungen – teilweise die gleichen Stellen und Fachpersonen involviert sind: Wichtig ist, dass im Unterschied zur angeordneten Platzierung Erziehungsberechtigte die Problemkonstellation – zumindest formell – anerkennen und an einer Lösung interessiert sind. Rechtlich gesehen behalten sie so nämlich die Entscheidungsmacht und müssen folglich einer Platzierung zustimmen und diese in Auftrag geben.

Wie sich in der Praxis zeigt, sammeln verschiedene Stellen und Personen Informationen bei der Beratung oder Begleitung der betroffenen jungen Menschen und deren Bezugssystem. Häufig ist unklar, wer bzw. welche Stelle einen Überblick über diese Informationen und Beratungserfahrungen behält, die dazu geführt haben, dass  eine Problemkonstellation erkannt und definiert worden ist.


Deshalb können, bis zum offiziellen Start eines vereinbarten Platzierungsprozesses auch Redundanzen, Widersprüchen, Missverständnisse auftreten. Aus dem gleichen Grund kann es auch zu fehlendem Austausch zwischen den Beteiligten kommen. Hier braucht es auf kantonaler Ebene Abstimmungen darüber, wie die verschiedenen Akteure so zusammenwirken können, damit der Fokus auf das individuelle Wohl des Kindes in einer nichtangeordneten Platzierung nicht verloren geht.

Bisherige Zusammenarbeit

Im Platzierungsprozess muss an die Erfahrungen und Absprachen der bisherigen Zusammenarbeit der jungen Menschen und ihres Bezugssystems möglichst angeknüpft werden. Insofern ist es wichtig mehr darüber zu erfahren, welche Erfahrungen in der Zusammenarbeit diese in vorangegangenen Interventionen oder bei Abklärungen gemacht haben. So lassen sich eventuell auch Widerstände und unangebracht wirkende Reaktionen besser verstehen bzw. Missverständnisse, die eine Zusammenarbeit im Platzierungs- und Betreuungsprozess hemmen, verhindern.

Der Prozess zur Platzierung junger Menschen kann – idealtypisch – auf zwei unterschiedlichen Wegen ablaufen: Entweder wird er bei rechtlich angeordneter Platzierung ausgelöst, wenn bei einer Kindeswohlabklärung und Bedarfseinschätzung festgestellt wird, dass das Kindeswohl gefährdet ist. Oder wenn eine problematische Konstellation im familiären Umfeld letztlich dazu führt, dass formal die Eltern die Platzierung ihres Kindes im Rahmen einer nicht angeordneter Platzierung in Auftrag geben bzw. sich mit einer Platzierung einverstanden erklären.

Das Ziel des Platzierungsprozess ist es, dass Dienste und Fachpersonen möglichst gemeinsam mit den Betroffenen einen passenden Ort finden, an dem die jungen Menschen adäquat aufwachsen können. Der neue Ort muss den Bedarfslagen der jungen Menschen gerecht werden und so ihr Wohl sicherstellen können.

Formell geht der Platzierungsprozess spätestens ab dem Aufnahmegespräch der jungen Menschen am neuen Platzierungsort in den Betreuungsprozess über.

Platzierungsprozesse müssen flexibel in ihrer zeitlichen Dauer sein: sie können sich über Monate hinziehen oder müssen bei einer Notfallplatzierung in nur wenigen Stunden abgewickelt werden. Insbesondere wenn der Platzierungsprozess unter hohem Zeitdruck stattfindet, sind gewisse Prozessschritte teilweise später, z.B. während des Betreuungsprozesses in einer Beobachtungsstation, noch nachzuholen.

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