Fachliche Anforderungen an Diagnostik & Abklärung

Diagnose Sub1

Soziale Diagnosen und Erkenntnisse aus Abklärungen definieren körperliche, geistige und soziale Bedarfslagen und Bedürfnissen der jungen Menschen und ihrer Bezugssysteme. So schaffen sie für alle Beteiligten eine gemeinsame Basis, um über Ist- und Soll-Zustände zu sprechen.
Verständlichkeit, Transparenz und Einbezug der Beteiligten sind deshalb wichtige Qualitätskriterien. Dank ihnen kann es Fachpersonen gelingen entsprechende Instrumente reflektiert einzusetzen. Mit umsichtig erstellten Diagnosen und Abklärungsberichten können die Fachpersonen ihre Entscheidungen, Zielsetzungen und Vorgehensweisen fallangemessen begründen. Und nur so bleiben sie auch kritisierbar.
Die grosse Auswahl an Abklärungs- und Diagnostikinstrumenten sowie die daraus entstandenen Erkenntnisse müssen Fallführende fallbezogen und zielführend auswählen und einsetzen können.

Reflexionsfragen

Die nachfolgenden Reflexionsfragen unterstützen eine kritische Auswahl und eine verhältnismässige Anwendung von Instrumenten der Diagnostik und Abklärung. Sie fragen nach:

  • Welcher Auftrag liegt der jeweiligen Diagnostik oder Abklärung zugrunde?

  • Welche Disziplin könnte beim ausgewählten Instrument Vorgehen und Anforderungen definiert haben? (Medizin, Psychologie, Soziale Arbeit, Rechtswissenschaft, Pädagogik, …)

  • Welche Perspektive auf junge Menschen nimmt diese Disziplin ein? Welche Vorannahmen?

  • Welche Vorurteile haben Sie gegenüber den unterschiedlichen Disziplinen? Sind diese berechtigt oder vielleicht auch etwas verkürzt?

  • Wie sehr dient die Diagnose auch zur Darstellung oder Legitimation nach aussen?

  • Sehen Sie Ergebnisse und Erkenntnisse aus Diagnostik und Abklärung als Wahrheiten, als Tatsachen? Oder nehmen Sie die Ergebnisse auch als Ausgangslage für weitere kritische Diskussionen, sprich als Hypothese?

  • (Wie sehr) Wird berücksichtigt, dass die Erkenntnisse stets zeitlich begrenzt sind? Wann werden Abklärungen und Diagnostik wiederholt? Gibt es Verlaufsdiagnostik im Interventionsprozess?

  • Wer von den Beteiligten hat die Möglichkeit, die so gesetzten Entscheidungsgrundlagen kritisch zu prüfen und zu hinterfragen? Wird das auch tatsächlich getan?

  • Sind Vorgehen sowie Diagnosen und Abklärungsberichte für alle Beteiligten transparent?
    Falls nicht: Warum nicht? Aus fachlichen oder pragmatischen Gründen (z.B. fehlende Zeit)?

  • Welche Möglichkeiten bietet das verwendete Diagnose- oder Abklärungsinstrument den jungen Menschen und ihren Bezugssystemen? Können sie „ihre Situation erzählen“, sich einbringen, sich beteiligen?

  • Dienen Diagnostik und Abklärung auch der Beziehungsgestaltung zu den jungen Menschen?

  • Hat die Erarbeitung der Diagnose/des Abklärungsberichtes selbst bereits eine Rückwirkung auf die jungen Menschen und ihre Bezugssysteme (Diagnostik als Intervention)? Welche?

  • Bieten die Resultate Orientierung und konkrete Anhaltspunkte für die weitere Prozessgestaltung? Oder steht die Diagnose, der Abklärungsbericht eher abgeschlossen für sich alleine?

  • Wozu und wem dient die angestrebte inhaltliche Orientierung (Dimensionen, Abläufe, Kriterien)? Wozu und wem dient sie nicht?

  • In welchem Verhältnis stehen letztlich die aufwändig erarbeiteten Diagnosen und Abklärungsberichte vor der Platzierungswahl zu den pragmatischen Faktoren der Platzierungswahl selbst (wie Kostendeckung, freie Plätze, Routinen, Beziehungen)?

Suche