Hilfe zur Partizipation der jungen Menschen und ihres Bezugssystems

Partizipation Sub1

Die Praxis zeigt, dass die betroffenen jungen Menschen und ihr Bezugssystem teilweise nicht einfach "aus sich heraus" im Rahmen von Fremdplatzierungsprozessen mitwirken und partizipieren können. Sie müssen hierzu institutionalisierte Gelegenheiten erhalten, aber darüber hinaus auch je individuell unterstützt werden.

Mit Blick auf die komplexen Problemlagen, in denen sich die betroffenen jungen Menschen und ihr Bezugssystem befinden, muss auch mit Verhaltensmustern gerechnet werden, die von den Fachpersonen als Widerstand, Rückzug oder Passivität gedeutet werden. Gerade dann ist es wichtig, dass Fachpersonen  nicht in diesen Zuschreibungen verharren sondern kreativ Wege der Beteiligung erschliessen.

Die jungen Menschen sind in einer ihrer Entwicklung entsprechenden Sprache über ihre Rechte und Möglichkeiten zur Partizipation aufzuklären. Auch müssen sie im Platzierungsprozess immer wieder angehört werden und die Möglichkeit erhalten, über ihren zukünftigen Lebensort mitzuentscheiden.

Dabei müssen ihnen aber auch die Grenzen ihrer Beteiligungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Diese ist etwa durch das Sorgerecht der Eltern sowie durch das Kinder- und Erwachsenenschutzrecht oder das JStG begrenzt. Insofern gehört es zur Befähigung zur Partizipation, dass die Fachpersonen die tatsächlichen Möglichkeiten klären und aufzeigen.

Nimmt man die partizipative Einbindung der Kinder und Jugendlichen ernst und gibt ihr möglichst Raum und Bedeutung, so zeigen Erfahrungen, dass sich Kinder und Jugendliche in ihrer je eigenen Art einbringen und beteiligen sowie allenfalls bereit werden, mehr (Selbst-)Verantwortung zu übernehmen.

Sie können so allenthalben lernen ihren Handlungsspielraum zu erweitern. Zudem entwickeln sie ein differenzierteres Beziehungsverhältnis zu ihren pädagogischen Bezugspersonen. Idealtypisch gesehen erleben sie sich als selbstwirksam und entwickeln nach und nach ein grösseres Selbstvertrauen, was ohne einen Vertrauensvorschuss und eine gewisse Risikobereitschaft der pädagogischen Bezugspersonen nicht möglich gewesen wäre.

Im Platzierungsprozess kommt der Suche nach dem je passenden Platzierungsort eine hohe Bedeutung zu. Dies betrifft auch den Grundsatzentscheid für eine Platzierung in einer Pflegefamilie oder für eine stationäre Massnahme.

Zu bedenken ist, dass die Entwicklung eines jungen Menschen als seine Eigenleistung anzusehen ist, die gemeinsam mit den ihn betreuenden Fachpersonen realisiert wird. Insofern muss der Platzierungsort sehr gut zu dem jungen Menschen passen, damit er dort mit seinen eigenen Vorstellungen auch anschliessen kann.

Laut dem Workshop-Ergebnis von WiF scheint es in der Praxis teils so zu sein, dass viel Zeit und Energie in die Fallabklärung investiert wird, die Wahl des Platzierungsortes dann aber sehr pragmatisch und schnell vor sich geht. Diesem wichtigen Prozessschritt muss aber genügend Zeit eingeräumt werden und er muss möglichst mit Wahlmöglichkeiten für die Betroffenen verbunden sein.

Platzierungen sind theoretisch als soziale Dienstleistungen unter anderem auch für die sorgeberechtigten Eltern konzipiert.

Die Praxis stellt sich aber teils etwas anders dar: Obwohl viele der Eltern das Sorgerecht bei einer Platzierung behalten, da sie einer vereinbarten Platzierung zustimmen, scheint es verbreitet so zu sein, dass sie sich eher passiv und schwach gegenüber Behörden, Diensten und Betreuungsinstitutionen fühlen. Hinzu kommen häufig Scham- und Schuldgefühle ihrer vermeintlichen Elternrolle nicht gerecht zu werden. Diese schwache Positionierung ist kaum eine gute Voraussetzung für Eltern, damit sie ihre Erziehungsverantwortung wahrnehmen und sich aktiv in die Zusammenarbeit mit den Fachstellen einbringen.

Insofern muss die Unterstützung des Herkunftssystems – je nach Einzelfall – möglichst auch dazu beitragen, dass die Erziehungsverantwortung gestärkt wird. Dabei ist ein weites Spektrum an ambulanten, teilstationären oder sogar stationären Settings denkbar, in denen möglichst niederschwellig und in unterschiedlichen Intensitäten mit den betroffenen Eltern beziehungsweise dem Bezugssystem gearbeitet wird. Die Unterstützung der Eltern um partizipieren zu können reicht von deren stetiger Information über die Reflexion von Besuchen sowie Elterncoachings bis hin zur möglichen Einbeziehung der Eltern in den Heimalltag.

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